welshblack.de, Logo des VDWB

Verband Deutscher Welsh Black Züchter und Halter e.V.

Welsh Black - Fleischrinder     robust - ruhig - schwer

3. Welsh Black Weltkonferenz 2012

Vom 10. bis 19. August war der VDWB Gastgeber der 3. Welsh Black-Weltkonferenz. Die internationalen Gäste waren zum Auftakt auf den Schüttenhof in der Lüneburger Heide geladen. Der Vorsitzende konnte Teilnehmer aus Dänemark, Großbritannien, Luxemburg und Neuseeland sowie angereiste Verbandsmitglieder und weitere Gäste aus Deutschland begrüßen.
Die gelungene Auftaktveranstaltung legte den Grundstein für eine spannende, informative und heitere Tour durch mehrere deutsche Regionen und Städte, verschiedene Zuchtbetriebe sowie Museumsbesuchen in Hamburg und Bremerhaven. Auch Abstecher zu Zielen wie dem Hundertwasserbahnhof in Uelzen sorgten für ein ausgeglichenes Verhältnis von Kultur, Land und Leuten und dem eigentlichen Ziel : den deutschen Welsh Black Rindern.
Diese bekamen die Besucher auf dem Betrieb „Lütt Hoff“von Familie Morschen/Frahm erstmals zu Gesicht. Nach einem Sektempfang ging es zu den Herden. Hier stellte sich im Gespräch heraus das die beiden Rinder, welche den Anfangsbestand des „Lütt Hoff“ darstellten vor Jahren beim walisischen Züchter Mr.Thomas gekauft wurden. Der Enkel dieses Züchters war unter den Gästen und konnte sich von den hervorragenden Nachkommen überzeugen.
Der Besuch schloss mit einem Imbiss ab, und zum Abschied gab es ein bedrucktes Tshirt sowie eine Flasche Oldesloer Korn für jeden Gast.
Bei typisch norddeutschem Schönwetter, also Sonnenschein mit leichter Brise, kamen die Gäste anschließend auf dem Hof der Familie Eckert an.
Besonderes Interesse weckten die ausgehängten Pedigrees der ersten Kühe dieses Hofes, hier fand sich so manche den Gästen wohlbekannte Blutlinie wieder. Gezeigt wurde eine komplette Zuchtherde sowie die vier aktuellen Zuchtbullen des Betriebes. Der Betrieb Eckert hat mit dem Kauf einer tragenden Färse sowie eines Zuchtbullen im Jahr 2010 in walisische Genetik investiert. Auch hier war einer der Züchter unter den Gästen und konnte den guten Zustand „seiner“ Tiere bescheinigen.
Der nett geschmückte Hof lud im Anschluß zum Hungerstillen ein. Hausgebackener Kuchen, Grillwürstchen, Kartoffelsalat und ein Feierabendbier fanden großen Anklang.
Die Familien Frahm und Eckert freuten sich nicht nur über viele mitgereiste Verbandsmitglieder, auch der Zuchtleiter der RSH Claus Henningsen konnte als Gast beider Höfe begrüßt werden.
Ebenso Station der Reise war der landwirtschaftliche Betrieb der Familie Laars aus Kargow in der Müritz-Region.
Am Sonntagabend wurde gemeinsam zu Abend gegessen bevor Frau Dr. Sabine Schmidt vom RMV einen sehr interessanten Vortrag über die Organisation der Fleischrinderzucht in Mecklenburg-Vorpommern abhielt. Hieraus ergab sich ein angeregter Erfahrungsaustausch zu verschiedenen Zuchtfragen. Als Rasseverband Welsh Black möchten wir uns an dieser Stelle ganz herzlich bei Frau Dr.Schmidt bedanken.
Obligatorisch aber mit Spannung erwartet: der Besuch bei den Welsh Blacks der Familie Laars am nächsten Tag. Ganz besondere Beachtung schenkten die Besucher aber auch der hier aufgebaute Direktvermarktung . Eigene Schlachtung, eigene Zerlegung und anschliessender Verkauf im hofeigenen Laden stellen ein überzeugendes Vermarktungskonzept dar.
Abschliessend genossen die Gäste bei einer Kremserfahrt die wunderschöne Natur des Müritz-Nationalparks.
Weitere Reisepunkte waren die brandenburgischen Betriebe AHV Passow/Delta Passow und der Zuchtbetrieb der Familie Röthel.
In Passow nahe der polnischen Grenze wurden die Besucher von Herrn Kauschke als Anlagenleiter in Empfang genommen. Desweiteren beteiligten sich von betrieblicher Seite Herr Zielke (verantwortlich für den Bereich Fleischrind) sowie Frau Iwen (Veterinärin). Nach Einnahme eine kleinen Imbisses begann ein reger Erfahrungsaustausch.
Den Gästen wurde Einblick in die Milchwirtschaft des Betriebes gegeben. Ebenso wurden die beiden im Betrieb gehaltenen Fleischrassen Uckermärker und Welsh Black vorgestellt. Besonders imposant die Stallanlage für über 1000 Tiere der schwarzbunten Milchrasse.
Auch der zweite brandenburgische Betrieb hatte den Gästen außergewöhnliches zu bieten. Familie Röthel hält eine stattliche Welsh Black Herde. Auch hier funktioniert die Vermarktung über den eigenen Hofladen, dankbare Abnehmer kommen nicht nur aus den nahegelegenen Berlin. Ausführlich erklärte der Müllermeister Röthel die Arbeitsweise der historischen Wassermühle, welche er noch heute im Vollerwerb betreibt.
Im Raum Uelzen hießen die Familien Frick und Michaelis die Weltkonferenzteilnehmer willkommen. Auf dem Hof Michaelis wurde erst mal zum Kaffee eingeladen. Währenddessen Frau Elizabeth Schulz von der Landwirtschaftskammer Uelzen die Gäste über die regionalen Besonderheiten der Landbewirtschaftung in dieser Region in englischer Sprache informierte. Danach präsentierte Familie Michaelis mit Stolz ihre in Züchterkreise wohlbekannte Herde. Viele der Anwesenden waren schon vor vier Jahren Teilnehmer der Worldconference in Australien. Dort besuchte man auch den Besamungsbullen „Delmi“ dessen Sperma auch in Deutschland vertrieben wird. Auf dem Betrieb Michaelis konnten einige Nachkommen dieses Bullen in Augenschein genommen werden. Den Abend ließ man bei Welsh Black-Geschnetzeltem und nettem Beisammensein ausklingen.
Am nächsten Tag ging es auf den „Hof 4“ der Familie Frick, Kollendorf. Auch hier wurden, wie auf allen Betrieben zuvor, die Welsh Black fachkundig begutachtet. Besonderes Interesse weckte hier die landwirtschaftliche Ziegenhaltung. Milchprodukte wie Käse und Speiseeis aber auch Fleisch-und Wurstwaren aus Ziegenfleisch werden sowohl über eine Hofladen sowie aus dem Verkaufsstand auf dem Vitalmarkt in Uelzen verkauft. Nach ausgiebigem Brunch mit Produkten des Hofes setzte die Besuchergruppe ihre Reise fort.
Zwischenstation war die Besamungsstation der MASTERRIND in Verden. Ausführlich wurde vorgeführt wie Zuchtbullenhaltung, Spermagewinnung sowie weitere Verarbeitung und Vermarktung ablaufen und ineinander greifen. Wir danken Herrn Torsten Kirstein an dieser Stelle ganz herzlich für die kompetente und launige Führung.
Weitere Station war der Zuchtbetrieb der Familie Mahnken in Ahausen. Mit dem Trecker/Planwagen-Gespann ging es zu den Herden. Im Naturschutzgebiet „Weißes Moor“ hielt Frau Mertins(Stadt Rotenburg) einen Vortrag über die Zusammenarbeit der Naturschutzbehörde sowie des Betriebes Mahnken welcher die Flächen mit den Welsh Black im Vertragsnaturschutz beweidet. Der Betrieb hat 2006 durch den Import eine Bullen aus Wales frisches Blut zugeführt.
Am Abend waren die Gäste ins Gasthaus Meyer geladen, wo köstliches Tafelspitz den kulinarischen Horizont der meisten Gäste nochmals erweiterte. Es wurde bis spät in den Abend gefachsimpelt, gelacht und geklönt.
Für Nordrhein-Westfalen gingen unsere Züchterkollegen Wullbrandt und Wehebrink mit ihren Familien an den Start.
Nach ausführlichen Betriebs- und Herdenbesichtigungen auf beiden Höfen ging es zum Mittagessen ins Müllerhaus der Weher Bockwindmühle. Diese, sowie der Museumshof in Rahden hat den Gästen sehr gefallen. Als herausragendes Highlight wurde von den Gästen der Plattenkuchen bezeichnet. Diese von den hiesigen Landfrauen im historischen Holzbackofen gebackene Spezialität besitzt von nun an das Zeug in den walisischen Bergen zur Legende zu werden.
Letzte Besuchsadresse in dieser Reihe war der Hof von Birgit und Hans Stucke. Mit dem Treckergespann ging es auch hier zu den Herden. Durch Import tragender Färsen in 2008 sowie eines Deckbullen in 2006 besitzt auch der Hof Stucke walisische Genetik. Diese Nachzuchten wurde von den Züchtern aus Wales wie auch schon auf anderen Höfen zuvor mit besonderem Interesse in Augenschein genommen.
Dann gab es selbstgebackenen Kuchen und reichlich Gelegenheit zur Unterhaltung bevor sich Familie Stucke zum Abend etwas Besonderes hat einfallen lassen. Bekanntlich gibt es nirgendwo sonst auf der Welt solche Vielfalt an Brot und Wurstsorten wie bei uns in Deutschland. Hier bekamen die Gäste Gelegenheit sich selber davon zu überzeugen.
Für die Abschlußveranstaltung hatte man das Sail City-Hotel in Bremerhaven ausgewählt.
Die Sprecher der einzelnen nationalen Gästegruppen sprachen den deutschen Züchterkollegen ihren Dank für die schönen Tage aus. Gastfreundschaft, interessante Einblicke und das gute Essen bei ihren Gastgebern haben die Gäste völlig überwältigt.
Aber auch in fachlicher Hinsicht gab es viel zu sagen. Unisono erklärten die Teilnehmer das die Qualität der deutschen Welsh Black die Sie auf den Höfen besichtigen konnten außerordentlich hoch sei. Besonders die Züchter aus Wales betonten das die deutschen Tiere denen im Heimatland der Rasse in nichts nachstehen. Einzelne Geschäftsanbahnungen stehen vor vielversprechenden Abschlüssen.
Außerdem sagte man das die Organisation der Herdbuchzucht in Deutschland beispielhaft sei. Während in Wales jeder Rasseverband sein Herdbuch führt und die entsprechende Zahl Mitarbeiter vorhalten muß, überzeugte der deutsche Weg wegen seiner Effektivität auf ganzer Linie.
Die Zusammenarbeit der herdbuchführenden Landesverbände und der überwiegend ehrenamtlich tätigen einzelnen Rasseverbände war Gegenstand zahlreicher Gespräche. Ebenso wird das System der Körung/Kuheinstufung nach Noten für Typ/Skelett/Bemuskelung und die damit verbundenen Regeln der deutschen Zuchtbuchordnung von den internationalen Teilnehmern sehr positiv beurteilt.
Die nächste World-Conference findet in 4 Jahren in Neuseeland statt.

Boris Biehler